26.10.2018

Steht der Immobilienboom vor dem Ende?

Der Immobilienmarkt boomt - wie lange noch?

Der Immobilienmarkt boomt in Deutschland und dies schon seit beinah zehn Jahren. Die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern ist unverändert hoch und auch an den Aktienmärkten stehen Immobilienaktien stark im Kurs. Jeder Boom kommt jedoch irgendwann einmal zu einem Ende und so warnen aktuell bereits die ersten Stimmen, dass die profitabelsten Zeiten schon bald vorbei sein könnten.

Der Immobilienmarkt in Deutschland

Wie stark die Immobilien in Deutschland in den letzten Jahren im Fokus standen, wird deutlich, wenn man einen Blick auf den Wohnungsmarkt wirft. Besonders in den Metropolen der Bundesrepublik ist dieser praktisch leergefegt. So gingen die Verkäufe von Eigentumswohnungen in Städten wie Hamburg, Frankfurt oder München in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr im zweistelligen Prozentbereich zurück. Dies liegt wohlgemerkt nicht an der mangelnden Nachfrage, sondern am fehlenden Angebot. Da Genehmigungsverfahren für Neubauten oft langwierig und kompliziert sind, kommt der Bau neuer Wohnungen nur schwer voran. Die Folge sind hohe Preise, die sich wiederum auf die Renditen auswirken und Käufe weniger attraktiv machen.

Alternativen gesucht

Die hohen Preise in Städten wie München und Hamburg haben allerdings für keinen Einbruch am Immobilienmarkt deutschlandweit gesorgt. Stattdessen rücken neben den Großstädten nun auch kleinere Städte in den Mittelpunkt der Investoren. Ein gutes Beispiel ist Chemnitz, wo die Immobilienverkäufe im vergangenen Jahr um 83 Prozent gestiegen sind. Aber auch die Nachbarstädte und das Umland abgegraster Wohnungsmärkte erfreuen sich großer Beliebtheit. Da der Markt in Frankfurt beispielsweise immer überschaubarer und die dortigen Immobilien immer teurer werden, weichen immer mehr Käufer auf Offenbach aus. Aktuell sind die Preise in der Nachbarstadt noch erheblich günstiger als in Frankfurt, allerdings lässt sich auch hier bereits ein Anstieg aufgrund der höherer Nachfrage beobachten.

Experten sehen erste negative Anzeichen

Während Käufer auf dem Immobilienmarkt zunehmend kreativ sein müssen, sieht die Sache bei Immobilien-Aktien anders aus. Hier sehen Experten bei vielen Unternehmen noch Potenzial und empfehlen den Kauf von Aktien. Allerdings gibt es auch schon erste warnende Stimmen, dass der Boom sich langsam einem Ende zuneigen könnte. Auf der diesjährigen Immobilienmesse Expo Real warnten mehrere Experten vor einem Boom-Ende. Dies sei zwar noch nicht sofort zu erwarten, der Markt habe aber wohl den Großteil seiner Erfolgszeit bereits hinter sich. Nicht jeder Experte sieht die Sache jedoch pessimistisch. Der Deutsche Bank-Experte Georg Allendorf rechnet mit Fortsetzung des Immobilienbooms. Während andere Experten ein Ende in zwei bis drei Jahren für möglich halten, sieht Allendorf keinen Grund dafür. Als Beispiel nannte er London, wo es seiner Meinung nach selbst durch den Brexit keine Anzeichen für einen Crash gibt.

Wohnungsnot wird zum Problem

Der aktuelle Immobilienboom in Deutschland erweist sich aber auch zunehmend als gesellschaftliches Problem. Hohe Kosten für Immobilien ziehen entsprechend hohe Mieten nach sich. Die Folge ist, dass Wohnraum in Deutschland für immer mehr Menschen kaum noch bezahlbar ist. In München haben sich die realen Wohnungspreise innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Städte haben zudem Schwierigkeiten, mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Bezahlbarer Wohnraum entwickelt sich immer mehr zu einem politischen Thema. Auf dem Wohnbau-Gipfel in Berlin beschloss die Große Koalition Maßnahmen zuletzt, den Bau neuer Wohnungen zu forcieren. Entstehen sollen 1,5 Millionen Wohnungen bis zum Jahr 2021.