12.12.2017

Der Traum vom Eigenheim

happy young couple at new house front door welcoming people

Deutsche verschulden sich allem voran für Immobilien

Wofür ist man bereit Schulden zu machen? Diese Frage wird in verschiedenen Ländern höchst unterschiedlich beantwortet.

Deutschland im Vergleich

Bei der aktuellen Studie der Forsa im Auftrag des Finanzdienstleisters EOS ging es um die Frage, wie Menschen grundsätzlich zum Thema Schulden stehen, wie groß die Schulden in der Gesellschaft sind und welche Schulden als akzeptabel angesehen werden. Dabei wurden neben Deutschland auch die USA und Russland untersucht. Wie die Studie zeigt, führen in allen drei Ländern die Schuldenvermeider die Rangliste an, es gibt jedoch auch Unterschiede. Interessanterweise hat Russland mit 55 Prozent den größten Anteil der Menschen, die generell jegliche Schulden vermeiden möchten. In Deutschland sind es mit 45 Prozent etwas weniger als die Hälfte, wobei hier das Thema Immobilien eine wichtige Rolle spielt. Am geringsten ist die Zahl der Schuldenvermeider in den Vereinigten Staaten. Hier sind es mit 37 Prozent nur etwas mehr als ein Drittel.

Der Immobilienschuldner

In Deutschland sind Schulden und Kredite vor allem dann skzeptiert, wenn sie für den Kauf des Eigenheims eingesetzt werden. Dies zeigt sich auch in der Studie. Mit rund 36 ist der Immobilienschuldner als Typ in Deutschland am zweitweitesten verbreitet und scheint zudem auch immer weiter zu zu nehmen. Vor zwei Jahren lag der Wert noch um 10 Prozent niedriger. Hintergrund für diesen Anstieg sind die stabilen Umstände in Deutschland und besonders das niedrige Zinsniveau. Es dürfte vermutlich selten attraktiver gewesen sein, einen Kredit für den Hausbau oder Wohnungskauf aufzunehmen. Zudem werden die Aufnahme eines Kredits oder eines Darlehns für eine Immobilie in Deutschland oft nicht als echte Schulden angesehen. Dies zeigt sich auch darin, dass der Deutsche abgesehen von einem Kredit für den Wohnungsbau selten noch einen anderen Kredit aufnehmen möchte.

Andere Länder andere Schulden

In den USA sieht die Sache dagegen ganz anders aus. Hier existiert eine ganz andere Einstellung zum Thema Kredite, weshalb die sogenannten Sorglosen mit 29 Prozent auch auf Platz 2 der Typenliste liegen. Sorglose sind Personen, die oft gleich mehrere Kredite zeitgleich abzahlen. In Deutschland liegt dieser Wert bei nur 5 Prozent. Auch Gelegenheitsschulder (11 Prozent) und Schuldenjunkies (15 Prozent) sind in den Staaten deutlich stärker vertreten als in der Bundesrepublik. Hierzulande kommen beide Typen nur auf 7 Prozent.

Regionale Unterschiede

Neben den nationalen Unterschieden zeigen sich jedoch auch regional Gegensätze. Neben der Bereitschaft, einen Kredit aufzunehmen, ist auch die Kreditsumme selbst ein interessanter Indikator. Auch wenn der Verschuldungsgrad hierzulande generell steigt, gibt es ein Gefälle von Ost nach West sowie eine Unterscheidung zwischen Stadt- und Landregion. Besonders beliebt sind Immobilien in Großstädten wie Hamburg, München, Frankfurt oder Berlin. Entsprechend hoch sind hier die Darlehen, die pro gekaufter Immobilie aufgenommen werden. In München liegt der Betrag beispielsweise bei über 300.000 Euro, in Hamburg sind es noch 280.000 Euro. Dagegen ist Dortmund mit 173.000 Euro noch relativ günstig. Am niedrigsten sind der Verschuldungsgrad und die Verschuldungsbereitschaft in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Aufgrund der niedrigen Immobilienpreise der Region gibt es hier auch die kleinsten Darlehnswünsche und Verschuldungszeiträume. Während in Hamburg die Verschuldungsdauer in drei Jahren beispielsweise um 19 Prozent stieg, fiel der Wert in Sachsen-Anhalt im selben Zeitraum um 20 Prozent.