26.07.2016

Wohnungsnot in Deutschland: Wenn Wohnraum Mangelware ist

Sanierung, Haussanierung, Wohnungsnot, bezahlbarer Wohnraum, Neubau, Mietpreisbremse

In deutschen Großstädten, wie hier in Berlin, wird lieber saniert als neu gebaut - wegen der Rendite.

In Deutschland fehlt es nach wie vor an ausreichend bezahlbarem Wohnraum. Vor allem in den Ballungsgebieten sind Wohnungen zu vernünftigen Preisen oft Mangelware. Viele Orte haben den Einwohnerzuwachs in den vergangenen Jahren verschlafen und stehen nun vor einem Problem. Betroffen sind dabei nicht nur die Metropolen, sondern auch einige mittelgroße Städte.

Statistik weckt falsche Hoffnungen

Mit der Bekanntgabe der Wohnungsbaugenehmigungen für die Monate Januar bis April sorgte das statistische Bundesamt vor einigen Wochen für scheinbar positive Schlagzeilen. Anhand der veröffentlichten Zahlen schien sich die Situation in Deutschland endlich in die richtige Richtung zu bewegen. So verzeichnete das Bundesamt im ersten Quartal rund 117.000 Baugenehmigungen für Wohnungen, eine Zahl, die 31 Prozent über der des Vorjahres liegt. Ein wirklicher Grund für eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt ist die hohe Anzahl an Baugenehmigungen allerdings nicht. Letztendlich kommt es darauf an, wie viele der Wohnungen auch wirklich entstehen. Hier sieht die Zahl nach wie vor eher düster aus. So entstanden im Jahr 2015 nur rund 248.000 neue Wohnungen, womit man lediglich ein Prozent über dem Vorjahr liegt. Auch die hohe Anzahl an Genehmigungen in diesem Jahr sprechen nicht notwendigerweise dafür, dass die Zahl der tatsächlichen Bauten langfristig steigt. Viele Genehmigungen resultieren aus auslaufenden Förderungen und wurden daher nur vorgezogen.

Zahlen in Ballungsgebieten sinken

Schaut man sich die tatsächlichen Zahlen für den von Forschern errechneten Wohnungsbedarf an, wird klar, wie groß die Lücke in Deutschland ist. Den 248.000 neue Wohnungen, die im Jahr 2015 entstanden sind, steht ein Bedarf von geschätzten 400.000 Wohnungen gegenüber. Besonders in den Ballungsgebieten herrscht nach wie vor eine starke Wohnungsknappheit, die in vielen Fällen zu überteuerten Mieten führt. In Berlin hat sich der Nachholbedarf mittlerweile auf über 55.000 Wohnungen summiert, in Hamburg sind es über 34.000, in München über 40.000. Anstatt zu bauen, investieren viele Wohnungsgenossenschaften ihr Geld in Großstädten jedoch lieber in Sanierungen, durch die sie wiederum die Mieten erhöhen können. Viele neue Häuser und Wohnungen entstehen stattdessen auf dem Land, wo sie in dem Maße nicht benötigt werden. Hier wird oft lieber ein Einfamilienhaus neu gebaut, anstatt ein vorhandenes Haus zu sanieren.

Nicht nur Großstädte betroffen

Der Wohnungsmangel in Deutschland resultiert nicht nur allein aufgrund des Zuzugs in Ballungsgebiete. Auch EU-Arbeitskräfte, die nach Deutschland kommen, tragen zu dem Zustand bei. Darüber hinaus dürfte die große Zahl der Flüchtlinge in den vergangenen Monaten in manchen Orten für eine weitere Verschärfung sorgen. So besteht der Wohnungsmangel mittlerweile nicht mehr nur allein in Großstädten. Auch viele mittelgroße Städte in Deutschland haben das Problem, dass nicht genug Wohnungen zur Verfügung stehen. In Städten wie Karlsruhe, Kiel, Freiburg oder Lübeck hat sich die Situation in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich verschlechtert. Insgesamt sind es rund 46 von 402 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland, in denen das Problem mittlerweile akut ist. Nicht selten haben die Politiker in den betroffenen Orten den Wohnungsmangel zu lange unterschätzt und müssen sich nun Lösungen einfallen lassen.

Impulse für den Wohnungsbau

Um den Wohnungsmangel in Deutschland zu beheben, ist der Meinung vieler Branchenmitglieder nach, ein Eingriff der Politik notwendig. In einem Positionspapier fordern Verbände der Planer der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie der Deutsche Mieterbund und die Industriegewerkschaft BAU neue Maßnahmen von Bund und Ländern. Unter anderem soll der Wohnungsneubau steuerlich mehr gefördert werden, in dem zum Beispiel die steuerliche Abschreibung erhöht wird. Darüber hinaus fordert das Bündnis die Bereitstellung von kostengünstigem Bauland, die Fortsetzung der KfW-Förderung des Effizienzhaus 70, eine feste, bundeseinheitliche Grunderwerbssteuer von 3,5 Prozent und das Schaffen verlässlicher Rahmenbedingungen in den nächsten 5 Jahren. Nur wenn die Regierung diese Forderungen umsetzt, sieht man Chancen, das Problem des Wohnungsmangels zu beheben.